Der Werdegang der Freien Schule Hamburg e.V.
1976
Einige Hochschullehrer des Fachbereiches Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg entwerfen zusammen mit LehrerInnen und StudentInnen ein Konzept für eine innovative Hauptschule. Es sollen Lernkonzepte erprobt werden, die an den sozialen Vorerfahrungen der SchülerInnen anknüpfen und deren verschüttete Lerninteressen freisetzen können. Als Schulform wird die Hauptschule gewählt, weil dort im Vergleich zu Grundschulen der Selektionsdruck vermindert ist.
1978
Der Verein „Freie Schule Hamburg“ wird gegründet. Das Konzept wird im Detail ausgearbeitet und auf den vielfältigen Ebenen der Schulbürokratie verhandelt. Inzwischen aber haben sich die Schülerzahlen dramatisch reduziert, Schulen kämpfen ums Überleben. Das alternative Hauptschulkonzept hat keine Chance realisiert zu werden.
1980
Nach internen Auseinandersetzungen verkleinert sich die Konzeptgruppe. Die verbleibende Arbeitsgruppe entwickelt ein Konzept für eine Schule, die benachteiligten Jugendlichen ein pädagogisches Angebot macht, das sich an offenen Unterrichtsformen orientiert. Das Konzept wird mit Vertretern der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung (BSJB) diskutiert und abgestimmt. Der persönliche Referent des damaligen Landeschulrates Neckel, Dr. Schröder, teilt dem Verein mit, dass eine schulrechtliche Lösung zur Verwirklichung der Schule gefunden werden kann. Sie soll als eine Unterrichtseinrichtung eigener Art (weder Ersatz- noch Ergänzungsschule) gegründet werden, die der staatlichen Schulaufsicht nicht direkt unterliegt, für die aber im Rahmen von § 23 der Landeshaushaltsordnung die Möglichkeit einer finanziellen Zuwendung durch die Freie und Hansestadt Hamburg besteht. Gegenüber den pädagogischen und konzeptionellen Ansätzen der FSH bestehen von Behördenseite keine Bedenken. Im gleichen Jahr stellt die Behörde den Antrag an die Bund-Länder-Kommission (BLK), die FSH zu unterstützen. Die BLK stimmt einer Kofinanzierung mit 50% im Rahmen eines Modellversuches zur Betreuung arbeitsloser Jugendlicher ohne Hauptschulabschluss in Wilhelmsburg zu. Die Schule soll im Kommunikationszentrum Honigfabrik eingerichtet werden.
1981
Der Antrag wird vom Hamburger Senat mit der Begründung abgelehnt, dass es zu kurzfristigen Ausgabenkürzungen gekommen sei. Davon lässt sich die Konzeptgruppe nicht entmutigen. Zwei Vertreter des Vereins erhalten die Möglichkeit, dem Schulausschuss der SPD-Fraktion das Konzept persönlich vorzustellen. Bei dem Treffen sind sowohl Schulsenator Joist Grolle als auch Landesschulrat Neckel als nicht stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Es gelingt, den Ausschuss vom Konzept der Schule zu überzeugen. Der Ausschuss empfiehlt dem Schulsenator, die Gründung der FSH im Senat durchzusetzen. Es erfolgt dann tatsächlich ein Senatsbeschluss über die Aufnahme eines Titels im Hamburger Haushalt. Es werden zwei Lehrerstellen und eine Handwerkerstelle bewilligt.
1983
Die Freie Schule Hamburg nimmt als dreijähriges Pilotprojekt ihre Arbeit mit 25 SchülerInnen und sechs MitarbeiterInnen auf jeweils halben Stellen auf. Unterstützt werden sie von drei engagierten Dozenten der Universität Hamburg, die auch die von der BLK verlangte wissenschaftliche Begleitung durchführen.
1986
Auf Grund der zustimmenden Beurteilung durch die Schulaufsicht, der positiven Einschätzung der Schule in der wissenschaftlichen Begleitung und des persönlichen Eindrucks des Schulsenators Grolle bei einer Ortsbesichtigung übernimmt die Freie und Hansestadt Hamburg die Finanzierung der FSH nach Beendigung des Modellversuches durch ihren jährlichen Haushalt als Schulversuch besonderer pädagogischer Prägung.
1987
Auf Antrag der FSH finanziert das Arbeitsamt eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einen Sozialpädagogen.
1989
Die BSJB stimmt einer Weiterfinanzierung der Sozialpädagogenstelle ab 1990 mit der Auflage zu, die Kapazität der Schule auf bis zu 50 SchülerInnen zu erhöhen.
1999
Der Verein Kommunikationszentrum Honigfabrik ändert sein Konzept. Es wird keine offene Jugendarbeit mehr angeboten. Die Räume werden umgebaut. Für die SchülerInnen bedeutet dies eine Einschränkung von 450 qm auf 200 qm. Auf behördlicher Ebene wird beschlossen, in Anlehnung an die Stadt-als-Schule Berlin in Hamburg Klassenzüge einzurichten, in denen SchülerInnen nach dem Konzept des Produktiven Lernens unterrichtet werden. Für SchülerInnen, die von der Regelschule nicht mehr erreicht werden, soll eine entsprechende Schule in freier Trägerschaft eingerichtet werden. Der Verein „Freie Schule Hamburg“ übernimmt die Entwicklung eines Konzeptes für diese Schulform und erklärt sich bereit, eine zweite Schule zu gründen. Das Konzept wird der BSJB vorgelegt. Die Behörde sieht sich jedoch nicht in der Lage, für dieses Modell finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Die FSH erhält einen Investitionskostenzuschuss für die Teilnahme an dem Projekt “Schulen ans Netz”.
Jugend mit Perspektive
2000
Die FSH wendet sich an die Lawaetz-Stiftung. Diese berät Projekte, die sich mit innovativen Konzepten um finanzielle Förderung beim Europäischen Sozialfonds (ESF) bewerben wollen. Die bereits bestehende Schule soll um das Projekt JUP erweitert werden. Es ist vorgesehen, dass Jugendliche nach individuell abgestimmten Lernplänen beschult werden. Ein wichtiger konzeptioneller Bestandteil von JUP ist das Produktive Lernen. Die Jugendlichen sammeln Erfahrungen in mehrmonatigen Betriebspraktika.
2001
Es erfolgt die Antragsstellung beim ESF für eine dreijährige Laufzeit.
2002
Das Projekt JUP wird als innovative Idee für förderungswürdig befunden und im Ziel 3, Politikbereich A (aktive und präventive Arbeitsmarktpolitik) geführt. Die Maßnahmen dienen der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und der Verhinderung der Langzeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen. Die FSH wird um 15 Schulplätze erweitert und erhält befristet bis Juli 2005 zusätzliche Mittel. Es werden 200 qm zusätzliche Räume angemietet und ein Lehrer, ein Sozialpädagoge und eine Verwaltungskraft auf einer halben Stelle für die Laufzeit des Projektes eingestellt.
2005
Vom ESF wird das Projekt JUP II bewilligt. Der Bewilligungszeitraum von JUPII schließt an den Bezuschussungszeitraum JUP an. Einschließlich zweier Verlängerungen läuft dieses Projekt zum 31.12.2007 aus. Die Evaluation des Projektes JUP wird abgeschlossen und veröffentlicht. Die FSH beteiligt sich an der II. Internationalen Antiziganismuskonferenz an der Universität Hamburg.  Redebeitrag der FSH
2006
Die Honigfabrik wird saniert. Die Stadtentwicklungsbehörde bewilligt einen Mietzuschuss, so dass die gesamte Schule in dem Gewerbehof Am Veringhof 9 zusammengeführt werden kann. Dies erweist sich als Standortoptimierung. Die FSH kann trotz auslaufender ESF-Finanzierung in den neuen Räumen bleiben.
Das Buch von Frau Prof. Dr. Herz, welches im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der FSH entstanden ist erscheint:
"Du kannst nicht immer gewinnen" - Das Projekt Jugend mit Perspektive: Ein Hamburger Modell zur Integration bildungsbenachteiligter junger Menschen in die Arbeitswelt (Waxmannverlag, 2006, in der Reihe: Studien zur Jugendhilfe, Band 2)
2008
Die FSH arbeitet seit Jahresbeginn wieder in der „alten“ Besetzung. In diesem Jahr feiert die Freie Schule Hamburg in Wilhelmsburg ihr 25-jähriges Jubiläum.
2010
Im Rahmen der Hamburger Schulreform soll es zukünftig im Übergang Schule – Beruf nur noch zwei Schulformen geben: Die neuen Arbeitsvorbereitungsklassen mit Standorten an den Gewerbeschulen (AV-Dual) und die Produktionsschulen (PS). Die PS lehnen eine Zusammenarbeit mit der FSH ab. Die FSH soll daher mit dieser Begründung geschlossen werden. Der Verein FSH gibt nicht auf. Die Hamburger Schulsenatorin, der Leiter des Amtes W und regionale Einrichtungen wie REBUS- Wilhelmsburg setzen sich für den Fortbestand der Schule ein.
2011
Die FSH soll zukünftig nur noch mit schulpflichtigen Jugendlichen in besonders schwierigen Lebenslagen arbeiten, die vom Beratungs- und Unterstützungszentrum Beruflicher Schulen (BZBS) zugewiesen werden. Nach dem neuen Modell müssen alle älteren SchülerInnen in einem angemessenen Zeitraum die FSH verlassen. Die Jugendlichen aus Wilhelmsburger Roma und Sinti Familien weigern sich, sie sehen die FSH als „ihre“ Schule an. Auch für sie wird ein Konzept erarbeitet. Die FSH kooperiert im Rahmen eines Modellversuchs des Bundesinstitutes für Berufliche Bildung (BIBB): „Heterogenität in Berufsorientierung und Ausbildung“ (HBA) mit der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB), der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Migranten (ASM) und dem Sekretariat für Kooperation (SfK).
Durch diese Kooperation werden abgehende SchülerInnen in Ausbildung vermittelt.
2012
Es beginnen die ersten Gespräche mit der neuen Fachreferentin und der Schulaufsicht über die zukünftige konzeptionelle Arbeit, die auch Schulplätze für die jungen Roma und Sinti und andere schulpflichtige Jugendliche, die nicht vom BZBS kommen, berücksichtigt.
2013
30 Jahre FSH: Die FSH wird fester Bestandteil des Hamburger Übergangssystems Schule – Beruf. Dem Verein FSH wird die öffentliche Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe erteilt.
2015
Das Amt für Weiterbildung wird aufgelöst. Die FSH wird vorübergehend administrativ ausgelagert und wechselt mit der Fachreferentin, zuständig für die Produktionsschulen (PS), an den Landesbetrieb Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB).
2016
Die FSH wird wieder dem Amt für Bildung in der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) zugeordnet. Dort liegt die Zuständigkeit bei der Fachaufsicht für Schulen in freier Trägerschaft.

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